Archiv für Januar 2014

Außenseiter Spitzenreiter: Acht neugierige Fragen an ein Erfolgsformat

„Bei wem wohnt der Osterhase?“, „Wer hat eine Tierwaschanlage?“ oder „Wem gelang die Flucht aus der BRD?“. Naseweis-Fragen, die der „Kundendienst für Neugierige“ des DDR-Unterhaltungsfernsehens jahrelang für zu stellen notwendig und fürs Amüsement geeignet hielt.
Die Sendung „Außenseiter Spitzenreiter“ führte dem Zuschauer von 1972 bis zur „Wende“ Personen vor, die, ausgezehrt von Tauschökonomie und getrieben allein durch den sehnsuchtsvollen Wunsch nach Urlaub außerhalb Sachsens, „pfiffig“, das heißt erfinderisch geworden sind.
Die ästhetische Vereinbarung zwischen Hans-Joachim Wolfram als Moderator und dem Zuschauer als Zuschauer, „Außenseiter“ nicht als sektiererische Eigenbrötler außerhalb des Kollektivs, sondern als ideellen, innovierenden, eben: spitzenreitenden Gesamtostler, zu begreifen, ging auf. Die DDR-Entscheidungsträgers in Igelit nahmen an Inhalt und Form der Sendereihe keinen Anstoß.
Und so hatten Treuhänder ungewöhnlicher Hobbys und Halter kurioser Rekorde in den vergnüglichen Kurzbeiträgen der Sendung 18 Jahre lang die Möglichkeit, einmal im Monat zonenweit herumzuzeigen, was sie im Stande waren aus Sperrholz zusammenzusägen oder sich und ihrem Tier als Kleinstkunststücke einzuüben.
Um nach der Wende der Rückkanalfähigkeit privater Erfolgsformate wie „Hugo“ oder dem „Sat1-Superball“ mithalten zu können, übernahm der MDR nicht nur das Format und Hans-Joachim Wolfram sondern auch die obligatorische Bitte an die Zuschauer, Fragen aufzutun und einzusenden, die das Zeug haben, in den nächsten Folgen für heitere Stimmung zu sorgen.
Dem neuen Intendanten des Ostkanals war Wolfram zwischenzeitlich jedoch phänotypisch zu stark der greise FKK-Nudist auf Strandbadkur. In seinem staubigen Moderationsstil erkannte der Fernsehdirektor zu Wolframs Nachteil stets den unangenehm akribischen Stasi-Schnüffler – 2011 musste der fast 80 Jährige seinen Hut nehmen.


Zu wenig Proporz-Journalismus: Hans-Joachim Wolfram als freier Mann in seinem Hobbykeller.

In seiner Nachfolge mimte eine Typenvertreterin der dampfplaudernden Nassforscherin in Röhrenjeans die an Kleinsterfindungungen und Kuriosem interessierte Agentin. Zu allem Überfluss sind die Wolfram-Überlebten heute weniger findige Bastler und Sammler (denn: Tierwaschanlagen gibt’s in jedem Gewerbegebiet) als vielmehr substanzlose Selbstdarsteller („Ich hab ein Wellenbad im Garten“).

Man erkennt: Um dem Format den Charme zurückzuholen, bedarf es zuerst der richtigen Fragen!
Hallo-Chemnitz hat sie gestellt und eingeschickt:

• Gibt es in Chemnitz Hilbersdorf Moslems, die sowohl einen Koran als auch nen Komodowaran besitzen (Asylbetrüger)?

• Wer zerschnippelt die Wochenendausgabe der „Freie Presse“ und puzzelt aus Zahlen, Buchstaben und Satzzeichen interessante Artikel?

• Kann man Eingekochtes aus dem Jahre 1973 noch verwenden?

• Welcher Chemnitzer Stadtrat hat den Längsten?

• Welche Ulknudel hat beim FKK am Stausee Oberrabenstein etwas zu verzollen?

• Wem wurde, weil er dem außergerwöhnlichen Hobby des Hochdeutsch-Sprechens fröhnt, im ÖPNV schonmal die Fresse poliert?

• Wer wischt sich, wenns Knall auf Fall kommt, mit der Online-Ausgabe des Freizeitmagazins „Chemnitzer“ den Arsch ab?

• Wer hat den „Fenstermann“ gesehen?

Witz der Woche: Die Auflagezahlenentwicklung „Sachsens größter Zeitung“

Auflage_Freie_Presse_aktuell

Daten via www.ivw.eu
Tendenziöse Talfahrt-Darstellung: Hallo-Chemnitz