Archiv für November 2013

Am Wochenende: Ins DDR-Museum!

Wer unter der Woche in Zeit, Spiegel oder sonstwo über die gemütliche Treuhänderin des NSU Beate Zschäpe, ihre geselligen Ostseeurlaube und ihren Faible für DDR-Devotionalien mit Lustgewinn gelesen hat, dem sei für dieses Wochenende der Besuch des Privatmuseums der Limbacherin Monika Köhler-Sylvester anempfohlen. Die teilt Zschäpes Spleen, sammelt Produkte aus der DDR. Beide, obwohl zur Wende erst dreizehnjährig, verbindet „ein starkes Gefühl der Nostalgie.“
Köhler-Sylvester, zwischen Nieder- und Obefrohna liebevoll nur „Minka Muckefuck“ genannt, hat „ihr Sammelsurium nun abfotografiert und präsentiert es morgen in der Begegnungsstätte Hot’s 82.“ Zu sehen gibt es „knapp 300 Bilder in einer Diashow und dazu Ausstellungsstücke zum Anfassen.“ Exponate „wie ihre alte Brotdose aus der Schulzeit“, „Küchenutensilien“ oder „Haushaltsmittel“ wie das mittlerweile verfemte Ata sollen die Besucher anlocken.

„Wenn ich an meine Kindheit denke, fallen mir zum Beispiel sofort die kleinen Eisbecher mit den bunten Plastiklöffeln ein. Und Adi, der im Fernsehen die Sendung ,Mach mit, mach’s nach, mach’s besser‘ moderiert hat“

Los geht’s um 15 Uhr.

Ein ganz anderes Kaliber, aber durchaus in der Tradition der westsächsischen Mord- und Totschlaggesellschaft stehend, ist die Ausstellung „Spielzeugkanone und Puppenhaus“ im Chemnitzer Schlossbergmuseum.
Sachsen-Fersehen kündet etwas ahnungslos von „Ausstellungsstücken, die mit ihrem eigenen Charme sowie ihrem Seltenheitswert bestechen und einen Blick in eine entfernte Epoche“ bieten. Wir als „Kunst&Krempel„-VHS-Archivare wissen besser Bescheid und dürfen im selbstgefälligen Auskennergestus darauf hinweisen, dass es neben einer knuddelsüssen Karl-Sack-Puppenstube von 1934 für die Mädchen, für Jungs die Replika einer Walnuss-schießende Miniatur-Kanone in Aktion geben wird. Für die Altvorderen von Rosarot und Himmelblau hält die liebevoll kuratierte Ausstellung außerdem eine Schuhkarton-Miniatur des KZ Sachsenburg vor.
Auf die Nuss gibt’s ab 11Uhr.
Wir sehen uns,

ihre und eure Hallo-Chemnitz!

Wegen Zer|stü|cke|lung: Personalmangel bei sächsischer Polizei

(via Kanibalismusportal freiepresse.de)

Freie-Presse-Volontäre: Das könnten wir sein

Volo… what? Klingt nach Schuften ohne Geld. Bevor ihr euch jetzt Minderjährige vorstellt, die Zeitungsbündel durch die Straßen schleppen: Entwarnung! Wir werden bezahlt und was noch besser ist, ausgebildet. Auf diesem Blog könnt ihr uns Jungjournalisten beim Zeitungsmachen beobachten. Ihr erfahrt Anekdoten zu unseren Geschichten. Das wird nicht nur getippt, sondern auch gefilmt und fotografiert: Wir bloggen crossmedial. Was das überhaupt bedeuten soll, könnt ihr gleich in dem ersten Beitrag von Sebastian lesen. Und: fragt, fragt, fragt. Wir möchten antworten.

(via freiepressevolontaere.wordpress.com)

Hallo-Chemnitz hat für Sie kursiv gelesen und erklärt zunächst kurz, um was es im FP-Volo-Blog geht.

• was wird da gemacht: für Leidgeprüfte schwer zu ertragende Aufmerksamkeitsökonomie betrieben

• für wen es eigentlich gedacht ist: Entscheider, neidische Germanistikstudenten

• nach was es für Entscheider aussehen soll: Handwerk, Andienen

• nach was es für alle anderen aussehen soll: Wortwitz, Weltgewandtheit, Authentizität, ironische Distanz

Volo-Blog. Das heißt Infotainment für Studenten, die sich einander als „Studis“ vorstellen und überhaupt für jeden intellektuell geundercutteten Hüftjackenträger. Auch in Ausbildung. Nur: Im Alter jung müssen sie sein.
Hallo-Chemnitz ist jung und freut sich auf eitle Berichterstattung von Scheinproblemen anderer „Nachwuchsredakteure“. Auf nach Kräften aufgerüschten Übertrag persönlich Banalem ins prätentiös Uneigentliche und auf ne Menge schiefer Bilder der mitunter schon 27jährigen Entgeltlichen. Auf Zeilen, aus denen das Einverstandensein mit den Verhältnissen glucksen tut. Auf nen Sprech, der eigentlich Reklame heißt. Auf Rotz für Leute, die Interesse am Unmittelbaren haben: Schön Einkaufen, mit Freunden treffen, moraline Verteilungsgerichtigkeit. Auf die gespiegelte Geisteshaltung einer Generation, die uns bald hauptberuflich bevormundet, für dumm verkauft und herumschubst.

Bis dahin aber gilt: Wir beobachten euch!