Na, bestens: „Feriensommer mit Lektüre“

Wenn die letzten Fünfer des Schuljahres eingefahren sind, die Versetzung in die nächste Klassenstufe widererwarten geglückt ist und sich Kopf- und Magenschmerzen beim Gedanken an die kommende achtwöchige Schonfrist verziehen, dann will man als Schüler eigentlich nur noch eins: ungestört lesen!

Denkt sich zumindest die Stadtbibliothek Chemnitz und „lädt 11- bis 14-jährige Schüler zum Lesen“ in den „Sommerleseclub“ ein. Selbst wenn es ein paar Ferienkinder geben soll, die andere Interessen umtreiben: Was will man schon machen, wenn dem Vati die Kohle für den Ostseeurlaub fehlt und die Lokalpresse nur von Mord- und Totschlag vor der Haustür berichtet?

Also auf in die Stadtbibliothek! Denn dort haben sich die bezahlten Kulturpessimisten etwas ganz Besonderes einfallen lassen. Nicht nur, dass den „Mitgliedern des Leseclubs 500 neue Thriller, Mystery- und Fantasyromane sowie Geschichten über die Liebe und das Leben zur Verfügung stehen“, also alles, von dem Erwachsene denken, dass es „Kindern“ gefällt. Nee, besser: „Wer über den Sommer mindestens drei Bücher aus dem Club-Angebot gelesen hat, erhält zur Abschlussparty des Projektes am 14. September ein Zertifikat, das im kommenden Schuljahr die Deutschnote positiv beeinflussen kann.“

Den härtesten Langweilern wird hier schon mal eine wichtige Lektion für ihre akademischen Laufbahn beigebracht: Lektüre stets als zu bewältigendes Quantum zu betrachten. Wer das innerhalb der vorgegebenen Zeit schafft und dabei die häufigsten Wendungen im Phrasengedächtnis abspeichert, tut damit nicht nur sich selbst einen Gefallen, weil nur die Regelzeit die finanzielle Unterstützung gewährt, sondern auch dem Steuerzahler, der die Bummelleser ja dennoch irgendwie alimentiert.

Die Anstrengung soll sich für die kleinen Erwachsenen auch jetzt schon lohnen, nämlich als positiver Effekt auf die Deutschnote im kommenden Schuljahr. Das stimmt zwar nicht, motiviert aber, und lehrt die Scheisser, wie man mit Hilfe von Modalverben seine Aussagen relativiert.

Was also tun, liebe Ferienkinder? Wenn es denn unbedingt Lesen sein muss, wieso nicht mal „Das Lied von Klassenfeind“ vom alten Brecht? Aber in Ruhe! Ansonsten freut sich die HC-Redaktion über sommerlochfüllende Polizeimeldungen aus den Bereichen Brandstiftung, Schmiererei und Bauernfang.

(via Freie Presse)


7 Antworten auf „Na, bestens: „Feriensommer mit Lektüre““


  1. 1 liebes schwein 13. Juli 2012 um 23:14 Uhr

    idiotisch, wie es sich der eine (streber) zum lesen im schneidersitz gemütlich macht!!!

  2. 2 was ist los? 16. Juli 2012 um 14:25 Uhr

    leider zu lustig

  3. 3 sternchen 16. Juli 2012 um 14:31 Uhr

    achtwöchige schonfrist? sowas gabs nur in der ddr!

  4. 4 schütten 18. Juli 2012 um 22:37 Uhr

    meinten sie: „nicht mal in der ddr?“

  5. 5 Frank O.C. Neubert 19. Juli 2012 um 10:15 Uhr

    Solche „Prestigeobjekte“ haben ja schon Katrin Köhler (NPD) und Martin Kohlmann (PRO Chemnitz) pointiert auf den Punkt gebracht.

  6. 6 Bummi 21. Juli 2012 um 17:48 Uhr

    Neulich in der Konsole-Ecke der Stadtbibliothek: Peter-Leone (5) will das erste Mal in der Stadtbibo mit seinem Kumpel Kristof (4 3/4) gamen. Doch der Platz ist gerade besetzt. Die Bibliothekarin vermittelt zwischen den beiden Aspiranten und dem Spieler. „In einer halben Stunde dürft ihr ran.“ Ohne dabei den Bildungsauftrag zu vergessen: „… wollt ihr derweil mit mir in die Kinderecke kommen, ein Buch lesen?“

  7. 7 Arschgeweih 22. Juli 2012 um 19:42 Uhr

    wo war mama leone?

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