Archiv für Juli 2011

Die Deutsche Scholle ächzt: „Fette Polacklümmels nehmen uns die Süsse weg!“

Handelsketten schränken Verkauf von Zucker aufgrund von Hamsterkäufen ein. […] Der Grund für die Rationierung ist weniger in einer explodierenden Vorliebe der Chemnitzer für den Süßstoff zu finden, sondern in einer immensen Nachfrage bei ausländischen Kunden. „Die haben zum Teil ganze Paletten abgeräumt“, berichtet der Leiter eines großen Einkaufsmarktes im Chemnitzer Süden […] .

(via freiepresse.de)

Unterdessen konnte Hallo-Chemnitz auf dem Limbacher Stadtfest einen der feisten Zuckerkuriere aus Polen im Bild festhalten. Dem Bodypacker war beim Autoscooter der in Cellophan verpackte, dann verschluckte Zucker im Darm geplatzt.

Faustdicke Überraschung beim „Chemnitzer Science Slam“

Wer den „Science Slam“ in der Chemnitzer Kneipe „Exil“ bisher als todtraurige Veranstaltung wahrgenommen hat, bei der ostdeutsche (Nachwuchs-)Akademiker durch die „geistreiche“ Bearbeitung eines ihrer Fachthemen vor Publikum, sich für westdeutsche Akademiker halten dürfen, der wurde auch bei der zweiten Auflage nicht enttäuscht: „Ja, warum ich meine Magisterarbeit über Zombies schreibe? Naja, ich war halt betrunken. “ Gelächter. Was für ein geiler Amerikanistik-Typ! Danach einer, der „mal(!) was über Franz Kafka erzählen will“. Anschließend eine junge Bachelorette aus dem Vogtland, die traurigerweise aussieht wie angekündigt. Ihr Thema ist trotz „Vertiefungsgebiet Industrie- und Techniksoziologie“ wider Erwarten nicht die Kritik der politischen Ökonomie, sondern „die kleinen Unterschiede zwischen Mann und Frau“ in heterosexuellen Paarbeziehungen. Bei all dem Versinken in Scham geht beinahe unter, dass der gestandene Überraschungsgast Christa Wolf (Hörkules-Preisträgerin, 2011) auch den asymmetrischen Juniorprofessor Stroh(!)meier („Wir Politikwissenschaftler sind allesamt Rampensäue“) hinter sich lassen konnte und damit zur Siegerin der zweiten Auflage des akademischen Slams gekührt wurde. „Was für ein Erfolg“, zitierte die Freie-Presse die Preisträgerin am Tag darauf völlig aus dem Zusammenhang gerissen.


Christa Wolf kommt in die Provinz: Erster Platz beim „Science Slam“ im Schauspielhaus Chemnitz.


Abgeschlagen: Rechtskonservativer Maulheld, Hemd über der Hose (abgeguckt bei Stefan Raab)

Schlagzeile knallt gegen Baum und drei Promille

Man könnte ja meinen, dass bei dem mageren Textgehalt, mit dem die „Nachrichten“ bei sachsen-fernsehen.de aufwarten nicht viel schiefgehen kann. Nämliche Redakteure haben jedoch ein besonderes Geschick entwickelt, bereits mit den Schlagzeilen für fragende Gesichter zu sorgen – was auf seine Weise natürlich auch ein Spannungsmittel ist.

Klassisch deppert diese Wendung: „Katze mit Baby auf Sperrmüll entsorgt“. Ohne jetzt über die Bedeutungsvielfalt der Präposition „mit“ zu schwadronieren, sei hier folgende mögliche Lesart vorgestellt: „Katze per Baby auf Sperrmüll entsorgt.“

Aus einem Hauptschulaufsatz könnte auch diese Zeile sein: „Fast drei Promille und Tochter an Bord“. Was befand sich an Bord? Genau: eine Tochter und drei Promille.

Ganz ohne Aussage kommt „Blitzer Bornaer Straße“ aus. Leider hält die Nachricht dann der Schlagzeile die Treue und schweigt sich wortreich über das Gemeinte und den Nachrichtenwert aus: „Da die Bornaer Straße auf 30 km/h gesetzt ist, wird fast täglich kräftige via Laserpistole oder mobil geblitzt. Das Foto zeigt das als 2. Auto eines wohl der Stadt, in der via Front geblitzt wurde!“

Wer es schafft, den Sinn, vielleicht auch die gewählten Stilmittel des letzten Satzes zu entschlüsseln, darf einen Hallo Chemnitz-Redakteur auf seiner Nordkorea-Reise im August wahlweise begleiten oder bekleiden. Muss aber nicht!