Erzgebirgler tolerant: „Auf Balkonen von Spätaussiedlern dürfen die Bäume mit bunten Lichtern geschmückt sein“

Zwönitz macht vor, wie geschmückt wird

Seit 20 Jahren kämpft ein Ort erfolgreich gegen blinkernden Lichterterror und Plastikzeug.

Zwönitz. Diesmal kann sich Stefan Schneider zufrieden in seinem Sessel zurücklehnen. Schaut der 62-Jährige aus den Fenstern seiner Wohnung, bleibt ihm der Blick auf blinkernde oder gar bunte Lichterketten in Fenstern oder auf Bäumchen in der Nachbarschaft erspart. „Gott sei Dank! In Zwönitz gibt es so etwas nicht, diesen Lichterterror wie in Hollywood“, meint der ehemalige Fahrdienstleiter der Deutschen Bahn.

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Seine Überzeugung ist Programm: „Dieser asiatische blinkernde Firlefanz ist im Erzgebirge fehl am Platz.“ Und der Weihnachtsmann habe auch nichts auf einer Strickleiter an der Hausfassade zu suchen. „Unner Rupprich verschafft sich an dr Hausdür Respekt, wenner polternd eintritt“, meint Schneider. Entsprechend darf der Weihnachtsmann oder gar Santa Claus auch nicht mit einem blinkernden Rentierschlitten in Zwönitz daher kommen. Und Schilder mit Aufschriften wie „Merry Christmas“ etwa in den Geschäften werden schon gar nicht geduldet. „Unsere Stadt ist sauber“, bilanziert der „Polizeier“ zufrieden. Eine einzige Ausnahme lässt er zu: „Auf den Balkonen von Spätaussiedlern dürfen die Bäume mit bunten Lichtern geschmückt sein. Die kennen das halt so von ihrem Jolka-Fest“, gibt sich Schneider tolerant.
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Als das MDR-Fernsehen kürzlich einem Ehepaar aus Beucha bei Leipzig das am schönsten geschmückte Haus in Sachsen bescheinigte, stand Schneider kurz vor dem Herzinfarkt. „20.000 Lämpchen blinkten dort. Grässlich, wie Las Vegas“, lautete sein vernichtender Kommentar. Auch über einen Weihnachts-Wahnsinnigen in Hamburg kann er nur den Kopf schütteln. 50.000 Lämpchen stehen dort unter Strom. Mitte Oktober begann der Hausherr mit dem Schmücken, am 25. November war er fertig. In Bayern, wo ein Hausbesitzer extra eine neue Hauptstromleitung gelegt hat, soll sogar dessen Dalmatiner angesichts des Geflackers und Geflimmers gejault haben. Schneider hat für den Vierbeiner volles Verständnis. „Mir geht dieses Theater auch total auf den Geist.“ Er mahnt an, mehr Zurückhaltung beim Schmücken zu üben. Nicht grell, hell und bunt, sondern anheimelnd, verzaubernd müsse alles wirken. „Su liem es mir Arzgebirger.“

(via freiepresse.de)


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